Gestaltung im internationalen Kontext – Kirsten Koehler im Gespräch mit dem Grafikmagazin
In der aktuellen Ausgabe des Grafikmagazins (03/25) habe ich die Gelegenheit, über meine gestalterische Arbeit für den Deutschen Pavillon auf der Expo 2025 in Osaka zu sprechen – und über die Fragen, die mich als Designerin dabei besonders beschäftigt haben.
Im Zentrum des Pavillons und seiner Ausstellung steht das Thema Circular Economy. Für mich war von Anfang an klar: Das Denksystem der Kreisläufe muss sich auch visuell prominent zeigen – in Form, Farbe, Typografie und räumlicher Dramaturgie. Die runden, sich verändernden Formen, die wir entwickelt haben, stehen für Bewegung, Wandel und Offenheit – zentrale Prinzipien in einer zirkulär gedachten Zukunft.
Die zweite zentrale Frage war: Wird deutsche Gestaltung in Japan überhaupt verstanden? Für den Pavillon haben wir daher bewusst eine visuelle Sprache entwickelt, die deutsches und japanisches Design miteinander in Beziehung setzt. Das funktionale, stark reduzierte deutsche Designverständnis – in Anlehnung an Bauhaus – zeigt sich in schwarz-weißen Isometrien und klaren Rasterstrukturen. Dem gegenüber stehen weiche Formen, emotionale Farbwelten und spielerische Elemente, inspiriert von der japanischen Kawaii-Ästhetik. Das Spannungsfeld zwischen diesen beiden Gestaltungslogiken erzeugt eine unverwechselbare visuelle Identität: repräsentativ und verbindend, präzise und offen.
Ein besonders herausfordernder Aspekt war der Umgang mit den Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold. Als Gestalterin tue ich mich mit diesen Farben oft schwer – zu starr, zu symbolisch aufgeladen. Für eine offene, zukunftsgewandte Ausstellungsgestaltung haben wir eine erweiterte Farbwelt entwickelt, die Deutschland visuell verortet, aber gleichzeitig Offenheit und gestalterische Eigenständigkeit vermittelt.
Persönliches Highlight war für mich die Entwicklung der Circulars. Die kleinen Figuren begleiten die Besucher*innen durch die Ausstellung. In der Grafik und auf Medienflächen, vor allem aber als reale Begleiter: visuell, auditiv, interaktiv. Die kleinen Wesen übernehmen aktiv Vermittlungsaufgaben, schaffen alternative Zugänge zu den Inhalten, bieten Spiele und Interaktion an – und haben sich zu den wesentlichen Identifikationsfiguren des Pavillons entwickelt. Auf jedem Foto, in jedem Medienbericht, überall auf Social Media – die Circulars verbreiten gute Laune und vermitteln ein sympathisches, nahbares Bild von Deutschland. Dass sie so gut angenommen wurden, freut mich besonders. Es zeigt, was gute Gestaltung erreichen kann.
Das Interview im Grafikmagazin war für mich eine schöne Gelegenheit, über Gestaltung im internationalen Kontext zu sprechen, über kulturelle Übersetzungsleistungen, über die Verantwortung, die Design trägt – und über die Kraft, die in einer konsistenten, durchdachten visuellen Sprache liegt.
Das vollständige Interview ist erschienen im Grafikmagazin, Ausgabe 03/25.
Mehr zur Expo 2025 und unserer Arbeit am Deutschen Pavillon gibt es hier.