Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth
Kunde: Zweckverband Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth
Jahr: 2025
Museen und Ausstellungen
Wie die Stadt Berlin war das kleine Dorf Mödlareuth – auch als „Little Berlin“ bekannt – während der deutsch-deutschen Teilung an der Grenze zwischen Bayern und Thüringen durch eine Mauer getrennt. Ein Teil des Dorfes lag in der Bundesrepublik, der andere in der DDR.
Das Deutsch-Deutsche Museum Mödlareuth erzählt vor Ort die Geschichte dieser Teilung, die Hintergründe und die Auswirkungen auf die Bewohner*innen des Dorfes. Anlässlich des 30. Jahrestages des Mauerfalls wurde 2019 beschlossen, dem Museum einen Neubau mit einer neuen Dauerausstellung zur Verfügung zu stellen, die am 9. November 2025 eröffnet wurde.
Im ersten Bauabschnitt wurde bis Ende 2022 die Außenausstellung des Museums komplett überarbeitet und neu gestaltet. facts and fiction hat in enger Zusammenarbeit mit Grünplan Landschaftsarchitekten das Leitsystem, verschiedene Informationsstelen, die Darstellung des Mauerverlaufs in der Landschaft und eine Rekonstruktion des „Aufbaus der Sperranlagen des DDR-Grenzgebiets“ mit Originalexponaten gestaltet und umgesetzt.
Bereich der Epoche 2 von 1945 bis 1952
Im zweiten Bauabschnitt wird bis 2025 die neue Dauerausstellung für den von Atelier 30 Architekten geplanten Museumsneubau gestaltet und umgesetzt.
Die Dauerausstellung unterteilt sich in vier Epochen (1945-1951, 1952-1961, 1962-1989, 1989/1990) mit einem Prolog und einem Epilog. Die meterhohen Ausstellungswände gliedern den Ausstellungsraum und leiten die Besucher*innen intuitiv durch die Ausstellung. Die Besucher*innen durchlaufen die Chronologie der Epochen als klassischen Rundgang, das erleichtert das Verständnis der historischen Abläufe deutlich.
Eine Auftaktinszenierung zu Beginn einer Epoche zeigt in Schlaglichtern die Zeitgeschichte. Zahlreiche Originalexponate wie historische Dokumente, Uniformen, Objekte des Grenzalltags und Alltagsgegenstände erzählen vom Leben und Arbeiten an der Grenze. Historische Videos und Fotodokumente geben Einblick in die Geschichte dieses einzigartigen Ortes und der Lebenssituation, die heute kaum mehr nachvollziehbar ist. Besonders beeindruckend sind die Erzählungen der Zeitzeug*innen, die im Dorf gewohnt haben, oder von ihrer Flucht über die Grenze erzählen. Persönliche Erfahrungen lassen eine mitteilende und nahbare Geschichtserfahrung innerhalb der ansonsten dokumentarisch und informativ gehaltenen Erzählstruktur zu.
Die Szenografie der Ausstellung leitet sich aus der Architektur des Gebäudes ab. Große eingestellte Ausstellungswände laufen auf den imaginären Fluchtpunkt der Ausstellungshalle zu. So wie sich die Architektur des Raumes verengt, so verdichtet und verdunkelt sich auch die szenografische Geste im hinteren Teil des Raumes. Den Besucher*innen wird ein subtiles Gefühl der Beengung vermittelt, das in seiner Intensität zum Raumende hin immer weiter zunimmt, bevor es mit dem Umkehren in die entgegengesetzte Richtung zu einer räumlichen Öffnung kommt und sich der Raumeindruck wieder weitet – hier leitet sich die Erzählung zur Epoche des Mauerfalls über. Im Epilog kehren die Besucher*innen zurück zum Beginn der Ausstellung und erfahren ein weiteres Mal den Blick aus dem Panoramafenster und auf das verbliebene Stück Mauer.
Fotos: David Matthiesen